Siegener Zeitung, 23.02.2006

Reise in die Nachdenklichkeit

Kleine Soiree mit Text-Auswahl von Otto Abt im Haus Seel

Brücken bauen ist eine Leidenschaft von Otto Abt, Brücken zwischen Kulturen, Brücken zwischen Menschen, Brücken zwischen Text und Musik. "Auf Brücken unterwegs" hieß denn jetzt auch passend eine abendliche Lesung mit dem Weidenauer Autor und Asienkenner in der städtischen Galerie Haus Seel, im Rahmen der Ausstellung "vis-a-vis" von Gabi Bosch und Rita Petri. Zur Soiree eingeladen hatte die Deutsch-Indonesische Gesellschaft in Zusammenarbeit mit "KulturSiegen".

Abt präsentierte eine Auswahl von Texten aus den vergangenen Jahren, eine biografisch orientierte Reise durch Themen und Erlebnisse, angefangen mit dem Veranstaltungsort. Mit ihm verband er Erinnerungen an einen Besuch in der Tschechoslowakei und den abenteuerlichen Transport moderner tschechischer Malerei ins Siegen der Wirtschaftswunderzeit. Damit verknüpfte Abt aber auch das Thema "Versöhnung" - als Arbeit gegen das Leid, aber auch als eine unverdiente, erlösende Gabe der Opfer an die Generation derer, die zwischen den Tätern und den später Geborenen stehen.

Kriegserleben, in Gedichtform gefasst, schloss sich an, darunter die grauenvolle Erfahrung des Kriegskinds, dessen Spielkameraden von einer Bombe getötet werden und das sich erschüttert die menschheitsalte Frage nach dem Sinn stellt. Aber Abt wäre nicht Brückenbauer, wenn er es nicht schaffte, in der Dunkelheit auf einmal den Keim des Hellen wahrzunehmen. Eine Erfahrung, die dem Autor aus seiner Jahrzente langen Beschäftigung mit Asien vertraut geworden ist. Und so wunderte es auch nicht, dass er "Indonesien, mein zweites Heimatland" nicht nur mit Texten vorstellte, sondern auch mit dem Quartett des Siegener Gamelan-Orchester klangvoll lebendig werden ließ. "Diese Musik entspannt, macht fröhlich und gibt Kraft", warb er für die sanften Intermezzi.

Seine Textformen orientieren sich meist an der Tradition: Biografisch-Narratives, Lyrik, Aphoristisches stand im Vordergrund. Eingestreut waren Kostproben von Abts Beschäftigung mit den japanischen Senryu und Haiku, stark vom Zen beeinflussten Kurzgedichten. Wenn auch seine Sprache beim Lesen manchmal etwas subjektiv-expressiv wirkt, so verflüchtigte sich dieser Eindruck in seinem Vortrag völlig. Abt schaffte es, sein Auditorium auf eine gelungene Reise in die Nachdenklichkeit mitzunehmen und leise Anfragen zu stellen, wie in dem Senryu: "Beim Flug in die Nacht / entdeck' ich tief unter mir / ein einsames Licht."


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